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In welchem Masse ist die Zukunft beinflussbar?

Wir nehmen an, dass die Gegenwart das Ergebnis der Vergangenheit war. Allzu leichtfertig wäre es, nun anzunehmen, dass die Zukunft die Folge der Gegenwart ist.

Die Zukunft steht auf den Schultern der Gegenwart, jedoch ist ein erheblicher Teil der Zukunft nicht aus der Gegenwart abzuleiten. Die Zukunft ist in höchstem Masse ungewiss. In dem Masse, indem die Zukunft ungewiss ist, ist Sie vorhersagbar. Die Zukunft ist in bestimmten Teilen zufällig, in anderen die Folge von Entscheidungen. Diese Entscheidungen haben einen ebenso erheblichen Einfluss auf die Zukunft, wie der Zufall.

Dies führt zu einem Dreiklang:
Die Zukunft (der Entscheider) wird von

  • der Gegenwart
  • dem Zufall und
  • den Entscheidungen

beeinflusst.

Die Entscheidungstheorie kann belegen, das die meisten Entscheidungen von Menschen durch Prädiktionen der Vergangenheit beeinflusst werden. Der Mensch glaubt, dass er einen freien Willen hat und jederzeit in der Lage ist, seine Entscheidungen aus freien Stücken zu treffen. Dies ist jedoch nur bedingt möglich. In mehr oder weniger erheblichen Umfange kann das Individuum nur Entscheidungen treffen, welche auf Basis des bisherigen Erfahrungshorizontes und im Kontext des aktuellen Entscheidungsrahmens bedingt sind.

Anders sieht es mit dem Zufall aus. Der Zufall ist nicht bedingt durch einen realen Kontext. Der Zufall korreliert nicht mit dem Thema der Entscheidungen. Häufig wird der Zufall in religiösen oder metaphysischen Zusammenhängen als Schicksal bezeichnet. Ereignisse, welche sich nicht logisch aus den Entscheidungen von Menschen, noch aus der Vergangenheit ableiten lassen, werden als schicksalsbedingt bezeichnet. Jeder Versuch, eine sinnvolle Korrelation mit dem Entscheidungsrahmen herzustellen, scheitert.

Die Gegenwart ist die Basis der Zukunft. Ohne Gegenwart gibt es keine Zukunft. Jede Zukunft war einmal die Gegenwart, und wird dann als Vergangenheit bezeichnet. Die Dimensionen der Zeit werden im realen Leben als linear wahrgenommen. Aus der Vergangenheit folgt die Gegenwart, und aus dieser folgt die Zukunft. Offensichtlich richtig ist dies für die rein zeitliche Perspektive (und dies allerdings auch nur, wenn man die aktuellen Erkenntnisse der Quantenphysik außeracht lässt). Für die Bedingtheit menschlicher Entscheidungen oder den Zufall trifft dies nicht zu.

Für die Frage, ob und in welchem Masse wir die Zukunft beeinflussen können, kann der og. Dreiklang als Bezugsrahmen genommen werden. Zum einem bedingt sich die Zukunft aus der Gegenwart, entspringt sozusagen dieser Quelle und ist deshalb nicht ohne die Gegenwart denkbar. Einen Einfluss auf die Gegenwart hatten wir im gleichen Masse, wie wir ihn für die Zukunft haben. Natürlich kann man die Gegenwart auch abschütteln, oder man kann diese verdrängen, oder gar vergessen, dennoch existiert die Zukunft nicht ohne die Bedingungen der Gegenwart. Lediglich unsere Wahrnehmung, unsere Perspektive dazu können wir beeinflussen. Dies allerdings, das bewusste oder unbewusste Vergessen, oder Außerachtlassen, ist möglich und erlaubt uns einen gewissen Freiheitsgrad. Realisten ist dies naturgemäß weniger möglich als Visionären. Das Vergessen ist insofern eine Methode der Befreiung von den Fesseln der Gegenwart und schafft dem Entscheider einen höheren Freiheitsgrad der Entscheidungen.

Der Zufall ist nicht beeinflussbar, dies entspricht nicht seinem Wesen. Der Begriff „Zufall“ steht hier für das nicht erklärbare, für die Abwesenheit von Sinnhaftigkeit oder das Fehlen jeglicher Korrelation. Dennoch kann man mit dem Zufall rechnen. In der Szenario-Methode benutzt man dafür eine „WildCard“, um ein höchst unwahrscheinliches Szenario ins Kalkül zu ziehen. Spannend sind dabei WildCards die besonders unwahrscheinlich sind, bzw. deren Eintritt man kaum erwarten kann. Z.B. könnten wir für die Zukunft der Menschheit z.B. annehmen, dass es bereits ab 2030 jederzeit und überall Energie im Überfluss und zu extrem geringen Kosten gibt. Anderseits könnte man annehmen, dass die arabischen Staaten die Öllieferungen bereits 2015 komplett einstellen, und die erdgasliefernden Länder gleichzeitig die Preise für Gas um 1000% erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit ist ebenso groß wie es unwahrscheinlich ist, das solche Extremszenarien eintreten. Dennoch können sie eintreten, ganz zufällig, unerwartet jedoch nicht. Denn wir können uns darauf vorbereiten und die Auswirkungen solcher Zufälle in Szenarien abbilden. Damit sind wir auch dem Zufall gewappnet.

Bleibt noch die Frage, inwiefern wir in der Lage sind, unsere Entscheidungen für die Zukunft, also unsere Handlungsoptionen, zu beeinflussen. Obwohl wir wissen, dass dies schwer ist, ist es jedoch möglich. Natürlich wissen wir, welchen Einfluss unser Unterbewusstsein auf unsere Entscheidungen hat, deshalb allerdings können wir uns von diesen lösen. Wir könnten z.B. Entscheidungen nicht von uns, sondern von anderen treffen lassen, im Extremfall von Leuten, die wir nicht kennen, oder gar Tieren, z.B. einer Krake. Oder wir lassen Entscheidungen durch einen Zufallsgenerator treffen. Oder wir definieren einen Entschluss, den wir in der Zukunft durchführen wollen, und benutzen die heute zahlreichen Methoden zur Programmierung unseres Selbst. Wir denken positiv, joggen dabei 100derte Kilometer durch den Wald, und programmieren mithilfe neurolinguistischer Methoden unseren Entschluss in unser Unterbewusstsein. So oder so, wir werden dadurch einen erheblichen Einfluss auf unsere Zukunft haben können.

Zusammenfassend also ist es unser Credo, das wir die Zukunft in erheblichen Masse beeinflussen können. Dies ist ebenso tröstlich wie verpflichtend. Wir haben, bei Lichte betrachtet, also keinen Grund, uns unserem Schicksal zu ergeben, oder den Kopf in den Sand zu stecken. Wir können die Zukunft zwar nur unscharf voraussehen, jedoch können wir deren Verlauf beeinflussen. Wir haben es in der Hand, wie unsere Zukunft aussehen wird. Und dies in einem weit höherem Masse, als uns so mancher Schwarzseher oder falscher Prophet weißmachen will. Die Orakel der Geschichte wussten dies, und waren deshalb in hohem Masse erfolgreich. Denn sie injizierten den Geist der Zukunft in ihre fragenden Probanden, und legten so den Grundstein für deren zukünftiges Handeln. Die Auseinandersetzung mit der Zukunft ist regelmäßig der erste Schritt, diese zu gestalten und zu beeinflussen.

Der Schlüssel für die Zukunft liegt als in den Händen der Visionäre. In dem Masse, indem Zukunft denkbar ist, ist sie machbar. Rein praktisch bedeutet dies, das man – nicht unerhebliche Teile – der Zukunft durch denken erschaffen kann, in gleichem Masse kann man sie managen. Der Freiheitsgrad der Entscheider, der Visionäre, muss dabei ausreichend hoch sein, um möglichst unabhängige Entscheidungen treffen zu können. Visionäre müssen deshalb vor den Realisten geschützt werden, die naturgemäß Angst vor dem Neuen, Unbekannten haben. Wenn heute für Unternehmen klar ist, das diese nur auf Basis von Neuem in Zukunft überleben können, muss es in Unternehmen eine Mechanik für Innovationen und eine Schutzzone für Visionäre geben.

Dies alles vorausgeschickt, sehen wir unsere Camps und Workshops, Methoden und Tools, unsere Veranstaltungsformate, unsere Keynotes, unsere Templates und unsere Coachings als Werkzeuge zum Zukunftsmanagement. Wir wünschen uns für unsere Coachees, unsere Zuhörer, unsere Teilnehmer und unsere Auftraggeber ein Höchstmaß an gestaltbarer Zukunft. Wir haben das Ziel, Sie alle auf ein buntes Surfbrett zu setzen, und Sie durch unsere Arbeit und Moderation dabei zu unterstützen, auf den Wellen der Zukunft zu reiten.

Lübeck, im Dezember 2011 Stefan Stengel & Olaf-Gerd Gemein

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